Anläßlich einer Umstrukturierung der sexual-wissenschaftlichen Abteilung, führte ich Anfang Juli 1997 ein Interview mit dem Sexual-Wissenschaftler Prof. Dr. Naumann.
Ich kann hier leider nicht das ganze Interview wiedergeben und habe mich auf, meiner Meinung nach, wesentliche Punkte, gerade in Bezug auf die Freikörperkultur, beschränkt.

Was halten Sie von der Freikörperkultur ?
Generell gesehen, halte ich die Freikörperkultur für eine angenehme und positive Lebenseinstellung, welcher wir selbst, meine Familie und ich, bis in die späten 80er Jahre aktiv teilhaben konnten. Wir gehörten zu den so genannten »68ern«, wobei wir unsere damalige Lebenshaltung - und eben damit auch verbunden, die Nacktheit, als provokatives Mittel unter anderem gegen die prüde Gesellschaft einsetzten. Aus dieser provokanten Lebenshaltung wurde im Laufe der Zeit eine liberale und friedliche Lebenseinstellung.

Warum gehen Sie heute der Freikörperkultur nicht mehr nach ?
Termine, Termine. Berufliche und gesellschaftliche Pflichten lassen schon seit geraumer Zeit kaum einen privaten Freiraum, was nicht heissen soll, daß wir der Freikörperkultur nun ganz abgeschworen haben. Unsere Urlaube verbringen wir auch heute noch gerne in den FKK-Zentren der französischen Mittelmeer-Küste.

Ist die Freikörperkultur heute noch empfehlenswert ?
Mehr, denn je, vorausgesetzt, die einzelnen FKK-Vereine ziehen mit, und erweitern ihre Freizeitangebote zu Gunsten der jungen und jüngsten Interessenten. Denn die »Nacktheit« nur so leben zu dürfen, wie es die älteren in den Vereinen es gerne vorschreiben wollen, entspricht nicht dem ursprünglichen Gedanken der Freikörperkultur.
Zu eng gesteckte Rahmenbedingungen, Auflagen und Verbote bringen die jungen Leute natürlich wieder zu Protesten, welche schlimmstenfalls - für den Verein - sich in Austritten bemerkbar macht.
In der heutigen Zeit bestimmen zu viele Regeln, Ge- und Verbote unser Leben, dass wir danach nicht auch noch in unserer Freizeit zu »Duckmäusern« degradiert werden wollen.
Gerade die jungen Leute wollen in ihrer (knappen) Freizeit »Action« und »Fun« haben, dem Streß des Arbeitstages entfliehen, hinter sich lassen. Da passen die alten Vereinsregeln nicht in das Konzept einer aktiven Freizeitgestaltung junger Leute.

Gibt es weitere Gründe, die für eine Empfehlung sprechen ?
Natürlich, und da kommen wir dann schon in mein Fachgebiet, wobei ich zunächst einmal die Sexual-Aufklärung ansprechen muß, denn Schule, und selbst die Eltern, sind hier überfordert. In der Schule fängt es mit der multi-kulturellen Zusammensetzung an, und hört mit der Frage auf, mit welchem Alter der Sexualkunde-Unterricht starten soll. Wann soll man mit einem Kind über Verhütung sprechen? Erst, wenn die Kinder 14 Jahre sind, oder 13, oder 12, oder gar schon mit 10 oder 11 Jahren? Das Problem liegt auch darin, daß die Eltern in ihren Kindern keine sexuellen Wesen sehen (wollen) und bei Elternkonferenzen der 4. oder 5. Klasse einen intensiveren Aufklärungsunterricht kategorisch ablehnen.
Dabei stellen wir immer wieder fest, daß von Jahr zu Jahr, die Menstruation bei den Mädchen, und die Zeugungsfähigkeit bei den Jungen, immer früher eintritt. So sind 9- und 10-jährige Mädchen mit, zwar noch unregelmäßigen, Monatsblutungen ebensowenig eine Seltenheit, wie zeugungsfähige 10-, 11-jährige Jungen.
Damit will ich nicht andeuten, daß die Freikörperkultur unsere Kinder aufklärt, nein, dies tut sie nicht. Die Freikörperkultur kann hier nur als Hilfe, als Unterstützung dienen, begünstigt durch die permanente Nacktheit. Kinder aus der Freikörperkultur sind aufgeklärter und selbstbewußter, verfügen (auch) bekleidet nicht über die Berührungsängste dem anderen Geschlecht gegenüber, wie »textile« Kinder/Jugendliche. Wobei »Berührungsängste« hierbei nicht direkt „anfassen” oder „berühren” heissen soll.

Was sagen Sie zu dem Thema »FKK-Kinder-Bilder« ?
Eigentlich unverständlich, warum seit einigen Jahren »FKK-Kinder-Bilder« so thematisiert werden, besonders dann, wenn es um sich reine FKK-Aufnahmen handelt und nicht um Bilder mit einem pornographischen Inhalt. Man kann nicht das Bildnis eines nackten Kindes mit Pornographie gleichsetzen - dies tut nicht einmal unser Gesetzgeber. Zieht man Begründungen richterlicher Urteile zu Rate, wird man recht schnell feststellen können, dass es durchaus eine klare Definition von Pornographie gibt, respektive, genau beschreibt, wo diese anfängt.
Und durch diese überschwengliche »Thematisierung« werden „einfache“ FKK-Bilder von Kindern in ein ungerechtfertigtes, negatives Licht gerückt.
Natürlich kommt es auch darauf an, wozu man die Bilder eigentlich erstellt, welchen Hintergrund es gibt. Eine kommerzielle Verwertung von FKK-Kinderbildern ist eindeutig abzulehnen, hingegen zur Erinnerung, aber auch zur Dokumentation, durchaus zu befürworten.

FKK-Bilder als Masturbationsvorlage pädophil veranlagter Menschen ?
Da kommen wir vom »hundersten ins tausendste«. Natürlich nutzen Menschen mit dieser Veranlagung, überwiegend Männer, aber auch Frauen, FKK-Bilder von Kindern auch als Masturbationsvorlage. In der Praxis haben wir aber die Erfahrung gemacht, daß Bilder von Kindern in einer Minimal-Bekleidung, also zum Beispiel Bikini oder Unterwäsche, eher den pädophil veranlagten Menschen als Masturbationsvorlage dienen, als einfache Nackt-Bilder. Das nicht gezeigte, die verdeckten Geschlechtsmerkmale sind es, welche die Phantasie der pädophil veranlagten Menschen anregen.
Das Bildnis eines kleinen Mädchens in einem knappen Bikini wäre demnach »pornographischer« als das Bild eines nackten Mädchens.

Sind FKK-Kinder-Bilder schädlich für Kinder ?
Selbst für unbedarfte Kinder wohl kaum. Durch ihren eigenen Körper wissen sie zumindest, wie ihr eigenes Geschlecht aussieht - und durch Kindergarten, Spielplatz, Strand, auch, wie das andere Geschlecht in ihrem Alter aussieht.
Was man in keinem Fall machen darf, Kindern Bilder nackter Menschen, insbesondere Erwachsener, aufdrängen.

FKK-Kinder-Bilder und das Internet ?!
Als Informations-Medium kommen wir um das Internet nicht mehr herum. Zumindest bei mir ist es schon zu einem Instrument des Arbeitsalltages geworden, wobei ich es noch nicht geschafft habe, eine eigene Seite zu erschaffen.
Mit den FKK-Kinder-Bildern verhält es sich genauso, wie mit - fast - jedem anderen Bild, welches irgendwann einmal ins Netz gestellt wurde: es verbreitet sich schnell und verbleibt auch dort für alle Zeiten, wenn zwar auch nicht auf der ursprü:nglichen Seite, dann doch auf irgendeiner anderen.
Und pädophile »Sammler« gab es schon immer. Nur durch das Internet wird ihnen dieses „sammeln“ erleichtert, hatte man doch früher nur Bezugsquellen in der örtlichen Nähe, oder per Post.
Was es direkt zu den Bildern zu sagen gibt, habe ich Ihnen schon zuvor geantwortet.
Zu erwähnen sind noch die »Bilder-Jäger« in Zusammenhang mit Kinderpornographie, Bilder-Jäger, wie wir sie nennen, welche konkret auf der Suche nach Bildern mit pornographischen Inhalten sind, oder vermeintlicher Kinderpornographie, wie zum Beispiel: Nackt-Bilder, Akt-Bildnissen von Kindern, oder eben auch von FKK-Kinder-Bildern. In der Mehrzahl handelt es sich hierbei ebenfalls um pädophil veranlagte Menschen, welche sich ihre Neigung, eben zu Kindern, nicht eingestehen wollen und die wissen, dass man als Pädophiler ein Außenseiter ist, der sie partout nicht sein wollen. Sie unterliegen einem innerlichen Kampf, der nach außen hin in eine selbst inszenierte Jagd ausartet, welche von ihnen regelrecht Besitz ergreift und einer neurotischen Handlung gleich kommt.

Vielen Dank für das Gespräch


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Einige Antworten habe ich gekürzt wieder gegeben,
allerdings, ohne den Inhalt zu verändern. Weiterhin
habe ich einige Fremdworte »eingedeutscht«.
Das Gespräch wurde auf Tonband aufgezeichnet.